Eigentlich begann die Fotografie schon früh in mein Leben zu treten oder umgekehrt. Als mein Vater im Bad Schwarz-Weiß-Negative abzog, schaffte ich es tatsächlich Licht in die Angelegenheit zu bringen, was zum Leid meines Vaters ein Packen Fotopapier in Schwarz bedeutete. Auch die Nähe und der richtige Fleck des Fotoapparates waren von entscheidender Prägung in meiner Kindheit. Wenn ich auf dem Schoß meines Vaters mit im Rollstuhl fuhr, musste der Apparatnach der gemachten Aufnahme wieder auf meinem Bauch platziert werden. Mit meinem siebten Lebensjahr begann das Umziehen- innerhalb von 10 Jahren zogen wir 6-mal um. Das prägte mich, auch meine Sicht Menschen und meine Umwelt zu  betrachten. Mit 14 Jahren begann meine "Fotokarriere". Ich begann die Welt durchs Objektiv zu entdecken. Musste entscheiden was ins Bild gehört. Ich hatte kein Zoom so war oft laufen angesagt um das zu bekommen was ich "drin" haben wollte. Natürlich war das Vorbild mein Vater, der immer mit der Spiegelreflex sich den Weg durch den Motivjungel bahnte und mit seinen großen Objektiven vieles nah heranholen konnte. Das war also mein erklärtes Ziel - eine Spiegelreflex eines Tages mein eigen nennen zu dürfen. Und der Plan ging auf. Eine Praktika MTL5 sollte es sein. Dresdner Feinwerktechnik die rundum manuell zu bedienen war. Nur ein kleiner Belichtungsmesser, dessen Batterie aber ewig hielt, war das einzige elektronische Bauelement meiner neuen "Geliebten". Da aber alles manuell war, musste auch ich schneller werden. Kein Autofokus der alles zum Kinderspiel machte. Blende? Belichtungszeit? Hatte ich überhaupt Zeit? So musste ich beispielsweise in Florenz extrem schnell handeln. Jede Sekunde konnte die Ampel auf Grün springen und so wäre "mein" Ferrari neben dem BMW weggefahren. In extrem kurzer Zeit hatte ich alle Daten gecheckt und abgedrückt. Die Ampel sprang auf Grün. Nur kurze Zeit später und ich wäre leer ausgegangen. Natürlich gehört nicht nur Schnelligkeit und Übung dazu schöne Bilder zu machen. Glück und Ausprobieren sind ebenfalls Faktoren die nicht zu unterschätzen sind. Seit die Digitaltechnik Einzug gehalten hat, beschäftigte ich mich von Zeit zu Zeit mit deren aktuellen Stand. Aber lange Zeit war diese für einen Schüler und meinen immer mehr wachsenden Anforderungen an eine neue Kamera, unerreichbar. Nur Profis konnten sich digitalen Spiegelreflexen leisten. Klein, mit einer "normalen", wollte ich nicht anfangen. Nein ich war nicht arrogant. Aber meine Vergleiche zeigten mir, dass die Bilder an eine analoge Spiegelreflex nicht herankamen. Also musste ich mich in Geduld üben und konnte die Ergebnisse meiner Arbeit leider weiterhin erst auf dem Papier bewundern. Nach zwei Jahren intensiven Sparens war es schließlich soweit, ich hatte den Sprung in die digitale Neuzeit geschafft und wieder waren es Umstellungen und nicht nur positive Seiten, die neue Herausforderungen an mich stellten. Jetzt war statt einer Knopfzelle für einen kleinen Belichtungsmesser, ein ganzes technisches - intelligentes System getreten, das viel Strom haben wollte. Gerade Temperaturbereiche die etwas unnormal sind - wie im Januar 2005 in Norwegen, führten mir neue Probleme vor Augen, mit denen ich rechnen musste. Und glauben Sie nicht, dass es immer nur einfach ist mit einem tollen Zoom alles erreichen zu können. Ich wollte weit mehr als alles erreichen. Neue Perspektiven bekommen heißt auch, sich dreckig zu machen oder auf unbequeme Steine hinzulegen, um eine Langzeitbelichtung möglich zu machen. Immer wieder neu zu überlegen, was man anders als in üblicher Weise betrachten kann, ist mittlerweile zu meinem festen inneren Motto geworden, das fast ständig vor dem Auslösen der Kamera ein Gedanke wert ist. Durch Vergleiche mit anderen Fotografen, Fotozeitschriften und Werbefotos, stelle ich höhere Ansprüche an meine Arbeit. Normal ist dann nicht gut genug. Da heißt es überlegen und ändern was möglich ist. Aber häufig ist nicht immer das Berechnete das Besondere. Auch der schnelle Schnappschuss hat immer wieder seine Berechtigung neben dem "gestalteten" Bild. Fotografie ist immer noch ein schwieriges Gebiet, auf dem mittlerweile so viel möglich ist zu verändern. Gerade im digitalen Zeitalter, in dem jeder ständig auf dem Auslöser drückt und uns die Bilderflut fast erschlägt, sollten wir uns bewusst Zeit nehmen, schöne Fotos, die den Moment auskosten, Erinnerungen oder Träume wecken oder nur einfach schön sind, zu betrachten und sie uns in die Wohnungen zu hängen.

Marcus Finke 2006

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